Engel-Weg
Der Weg schlängelt sich direkt von Unteriberg steil durch den Wald in vielen Zick-Zack-Kehren. Da fällt mir der erste, weisse Engel am Wegesrand auf. Der Zweite in einem Wurzelstock, der Dritte unter einem Felsvorsprung, und dann kommen so viele Engel, dass ich aufhöre, zu zählen. Mit Liebe begleiten die Engel einen beim Pilgern zur Grotte beim Guggerenchopf. So viele ausdrucksstarke Engelsfiguren, kunstvoll arrangiert und achtsam am Weg entlang platziert. «Schutzengel» kommt mir in den Sinn.
So ein Schutzengel hat mich schon oft beschützt und mein Leben mehrmals gerettet. Hast Du auch Situationen erlebt, bei denen Du im Nachhinein dachtest, Gott-sei-Dank hat mich mein Schutzengel behütet? Dankbarkeit erfüllt mich. Manchmal nehme ich meinen Schutzengel stärker wahr, manchmal ist er einfach da, ohne, dass ich ihm bewusst bin. In Meditationen ist mir eine starke Intuition als inneres Bild zum Thema Schutzengel aufgetaucht: «Viele kleine Hände berühren sanft meinen Rücken». So fühlt sich für mich mein Schutzengel an: Wie ein sanftes, weiches Netz von Geborgenheit, in das ich mich in anstrengenden Lebensphasen fallen lassen kann. Aufgehoben und geborgen fühle ich mich in seiner Anwesenheit.
Sobald der Weg aus dem Wald führt, öffnet sich eine Terrasse und der Blick weitet sich. Die Sicht wird frei auf wilde Bergzacken und steile Felswände. Ein paar Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein. Doch bevor ich mich hinsetze, zünde ich in der Grotte eine Kerze an und gedenke meinen Liebsten, die bereits im Jenseits weilen. In mich kehren in der Natur lässt mich demütig werden. Die Grotte ist liebevoll aus lokalem Gestein gebaut und mit Blumen geschmückt. Im Zentrum ist Mutter Maria dargestellt.
Vor der Grotte setze ich mich in die Sonne und lasse den Moment wirken. So fühlt sich Ewigkeit an. Der nächste Moment ist wieder ganz neu. Die Freundlichkeit der Menschen, die sich hier respektvoll grüssen, berührt mich. Es scheint ein heiliger Ort. Ein heilsamer Ort für mich. Etwas ruft mich, meinen Weg fortzusetzen. Sind es die Ziegen auf der Weide? Ist es das Heiligenhäuschen am Wegrand unter einer grossen Linde? Oder das Huhn, dass neben mir auf der Wiese gackert, während ich einen Bauernhof quere?
In Oberiberg angekommen, geht es steil aufwärts, zuerst auf Asphalt, dann wieder querfeldein auf einem Wanderweg, der von Silberdisteln gesäumt ist. Die Sonne strahlt zwischen den Wolken durch und lässt die Wiese aufleuchten. Plötzlich hüpft da ein winzig kleiner Frosch vor mir her. Ich bücke mich, um ihn zu beobachten und helfe ihm über den Wanderweg. Denn bald kommen Wanderer von oben und ob die den Frosch rechtzeitig sehen?
Frösche, wie alle Tiere, enthalten eine Botschaft für uns. Im Buch «tierisch gut» von Regula Meyer werden mögliche Bedeutungsspektren von Tierbegegnungen beschrieben. Beim Frosch geht es darum, die eigene Gefühlswelt zu würdigen. Ja, ich freue mich über dieses Zusammentreffen. Die Seele von einem Tier zu fühlen, macht eine Wanderung für uns Menschen reicher. Danke für dieses Geschenk.
Nach dem Jäntli quere ich auf gleicher Höhe ein Moor und komme zu einem Tiny-House Rogenstock, das gemietet werden kann. Die Gästen haben hier eine wundervolle Aussicht. Ab hier geht der Weg abwärts über Bäche, am Hochmoor Tubenmoos vorbei und in vielen Kehren wieder über Asphalt zurück nach Oberiberg bis zur Dorf-Bäckerei. Dort gönne ich mir ein Vermicelles und setze mich wenig später auf die Bank bei der Postautostation neben einen Wanderer. Während wir auf den Bus warten, kommen wir in ein Gespräch über das Wandern und die Welt, dass wir im gemütlichen Postauto weiterführen.
Umweltnaturwissenschaftliche Informationen
Der zweite Teil der Wanderung ist Teil des Geologischen Wanderweg Roggenstock. Der gleichnamige Verein hat den Weg errichtet, um den Wanderern die Erdgeschichte der östlichen Zentralschweiz, eines der geologisch vielfältigsten Gebiete der Alpen, näherzubringen. Die Webseite über den geologischen Wanderweg wartet mit einem Quiz auf, bei dem man beim richtigen Beantworten aller drei Fragen mit einen Konfetti-Regen belohnt wird.
Alle Gesteine unseres Gebietes sind vor Jahrmillionen in einem weiten Meer abgelagert worden, was durch eingeschlossene versteinerte Muscheln belegt ist. Die ältesten Gesteine finden wir in den Klippen (Roggenstock, Schijen, Mördergruebi, Mythen). Sie entstammen einer Zeit, die 100 bis 220 Millionen Jahre zurückliegt. Graue Dolomite (ähnlich dem Kalkstein), rote Radiolarite (Kieselgesteine der Tiefsee) und helle Kalke sind die wichtigsten Vertreter. So ist also das Geheimnis des rot leuchtenden Gesteins des Roggenstock, der Rotenflue und der Mythen gelüftet.
Neben den geologischen Informationstafeln finden sich auch Informationen über den Einfluss des Rückzugs des Linth-Gletschers auf die Flora im Ybrig. Beispielsweise wuchsen kältetolerante und lichtliebende Pflanzen wie Silberwurz, Zwergbirke, Netz-Weide und gegenblättriger Steinbrech im Ybrig.
Landschaftliches Prunkstück ist das geschützte Bergföhrenhochmoor Tubenmoos. Auf engem Raum finden sich hier eine reiche Flora und diverse Wildtiere, unter anderem das seltene Auerhuhn, sowie auf Moorlandschaften spezialisierte Falter.
Wander Informationen
In rund 3 h 30 von Unteriberg via Grotte beim Guggerenchopf nach Oberiberg, weiter nach Jäntli via Bergbeizli Adlerhorst und Chalberweidli wieder nach Oberiberg zurück. Bis zur Grotte sind es 300 Höhenmeter und knapp 1h.
Übernachtungstipp
Tiny-House Roggenstock